Open-Access-Newsletter 4/2018

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

33,7 Prozent Open-Access-Zeitschriftenartikel existieren für den Zeitraum 2013 bis 2017 an der TU Berlin, europäische Forschungsförderer veröffentlichen einen radikalen Open-Access-Plan und der Dokumentarfilm „Paywall – The Business of Scholarship“ ist online … Dies und mehr finden Sie in unserem vierten Open-Access-Newsletter.

Open Access an der TU Berlin

Erster Open-Access-Sammelband durch neu eingerichteten Publikationsfonds finanziert

Wem gehört die Stadt? Wer darf wohnen – wer muss gehen? Und wer entscheidet darüber? Fragen wie diese sind für alle wichtig, sodass wir uns sehr über die Open-Access-Publikation „Das Kotti-Prinzip“ freuen. Diese wurde durch den im April 2018 an der TU eingerichteten Publikationsfonds für Open-Access-Monografien und -Sammelbände gefördert und ist auf DepositOnce online frei zugänglich und zugleich über den Buchhandel beziehbar.

33,7 Prozent Open-Access-Anteil bei Artikeln von TU-Angehörigen

Ein Open-Access-Anteil von mindestens 60 Prozent – diese Zielmarke formuliert die „Open-Access-Strategie für Berlin“ für das Jahr 2020, 60 Prozent der Zeitschriftenartikel sollen dann frei zugänglich sein. Für die Jahre 2013 bis 2017 können wir sagen: Mit gut 33,7 Prozent ist an der TU Berlin mehr als die Hälfte der Wegstrecke geschafft. Und der Open-Access-Anteil bei Artikeln von TU-Angehörigen wächst – langsam, aber kontinuierlich. Mehr dazu im aktuellen Blogbeitrag.

UB TU Berlin / D. Grahl, F. Zillmer / CC BY 4.0

Aktuelle Entwicklungen

Europäische Forschungsförderer veröffentlichen radikalen Open-Access-Plan

Der von elf europäischen Förderorganisationen Anfang September veröffentlichte Plan S sieht vor, alle Forschungsergebnisse ab 2020 unmittelbar in Open-Access-Zeitschriften oder auf Open-Access-Plattformen veröffentlichen zu lassen. Wessen Forschung durch einen der Förderer finanziert wird, muss ab 2020 Open Access publizieren. Durch seinen verpflichtenden Charakter kann das Vorhaben einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu Open Access in Europa darstellen. Deutschlandfunk und Nature berichten, Peter Suber analysiert Vor- und Nachteile des Plans.

Was tun, wenn der DEAL mit Elsevier scheitert?

Seit etwa zwei Monaten haben rund 200 deutsche Forschungseinrichtungen keinen Elsevierzugang – ohne dass es zu erkennbaren Protesten auf Seiten der Wissenschaft kommt. Sollten die DEAL-Verhandlungen mit Elsevier scheitern, stellt sich die Frage, wie sich Bibliotheken langfristig auf einen eingeschränkten Zugriff auf Elsevierinhalte vorbereiten können. Wie das praktisch aussehen kann, diskutiert ein aktueller Artikel.

Diskussion um Qualitätsstandards für Open-Access-Bücher

Open Access soll mittelfristig auch für wissenschaftliche Monografien und Sammelbände erreicht werden. Entsprechend wichtig sind aktuelle Diskussionen um die Förderkriterien von Publikationsfonds für Open-Access-Monografien und -Sammelbände: Die AG Universitätsverlage hat auf Basis der von Knowledge Unlatched und dem Nationalen Open-Access-Kontaktpunkt (NOAK) veröffentlichten Empfehlungen zu Qualitätsstandards für die Open-Access-Stellung von Büchern eigene Qualitätsstandards für Open-Access-Monografien und -Sammelbände zur Diskussion gestellt.

Filmtipp

Für graue Herbstabende haben wir einen Filmtipp: Paywall – The Business of Scholarship widmet sich dem offenen Zugang zu Forschungsergebnissen und hinterfragt, warum weltweit jährlich 25,2 Milliarden Dollar in gewinnorientierte akademische Verlage fließen und wie bei Elsevier eine Gewinnspanne von 35 bis 40 Prozent zustande kommt, die größer ist als die der profitabelsten Tech-Unternehmen Apple, Facebook und Google. Wer eine kurzweilige Dokumentation über die Rahmenbedingungen von Open Access und die wichtigsten Akteure hinter den Kulissen sucht, wird hier fündig (Film auf Englisch, bisher ohne Untertitel). Zur Rezension geht es hier entlang.

Und schließlich: Drei Fragen an … Annett Rettke (Referendarin)

Sie haben gerade erfolgreich Ihr Referendariat an der UB beendet: Mit welchem Thema hat sich Ihre Masterarbeit beschäftigt?

Meine Masterarbeit befasste sich mit Open Educational Resources (OER) und deren Bedeutung für die Vermittlung von Informationskompetenz. Dafür habe ich vier Berliner und Brandenburger Universitätsbibliotheken zu ihrem Umgang mit OER befragt. OER sind freie Bildungsmaterialien aller Art, z. B. Präsentationen, Bilder, Diagramme, Videos, aber auch Podcasts und Massive Open Online Courses. Wichtig dabei ist, dass sie unter einer offenen Lizenz wie etwa den Creative Commons oder der GNU General Public License stehen, die es erlauben, die Materialien zu verarbeiten, verbreiten, vermischen und vervielfältigen.

Was waren die wichtigsten Erkenntnisse?

Alle untersuchten Einrichtungen stehen dem Thema OER offen gegenüber und haben sich schon verschiedentlich damit auseinandergesetzt – oft werden z. B. Schulungsmaterialien zur Nachnutzung veröffentlicht. Eine umfassende Strategie im Umgang mit OER fehlt jedoch, was möglicherweise auch daran liegt, dass OER an keiner Einrichtung oberste Priorität hat. Da die Bedeutung von OER im Hochschulbereich jedoch zunimmt, wird sich dies sicherlich ändern.

Welche Empfehlungen resultieren daraus für die Praxis in Universitätsbibliotheken?

Eine sehr gute Anlaufstelle für Informationen rund um OER und zur Vernetzung bietet die Webseite https://open-educational-resources.de/. Dort werden Beispiele aus der Praxis vorgestellt und Handlungsempfehlungen sowie Leitfäden für OER an Hochschulen präsentiert, die sich sowohl auf die Erstellung eigener OER beziehen als auch auf OER als Thema für Schulungen.

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