Wieso, weshalb, warum? Eine ORCID iD für alle Forschenden der TU

Im letzten Jahr haben wir hier im Blog darüber berichtet, dass die TU Berlin dem ORCID-DE-Konsortium beigetreten ist und alle Forschenden der Universität aufruft, sich bei ORCID zu registrieren. Doch was genau ist ORCID und warum ist es für die Wissenschaft so wichtig?

ORCID gilt als einer der wichtigsten Fortschritte in der Wissenschaftskommunikation der letzten zehn Jahre, denn es löst ein ganz grundsätzliches Problem: die Identifikation von Forschenden und die Zuordnung ihrer Forschungsleistung. Dies betrifft die Wissenschaft in ihrer Gesamtheit – denn die Anerkennung von Forschungsleistungen und die Bezugnahme auf bestimmte Personen funktioniert nur, wenn diese eindeutig identifiziert werden können.

Um die dauerhafte gültige Verlinkung von wissenschaftlichen Artikeln zu ermöglichen, hat sich die DOI (Digital Object Identifier) etabliert. Sie ermöglicht die vertrauenswürdige und langfristige Identifikation von digitalen Publikationen und leistet damit einen wesentlichen Beitrag für eine gut funktionierende Wissenschaftskommunikation, deren wesentliches Element das gegenseitige Zitieren der Forschungspublikationen ist.

Ein zentrales Nervensystem für die Wissenschaftskommunikation

Ging es bisher darum, auf eine bestimmte Person Bezug zu nehmen, so fehlte bis 2012 ein geeignetes Werkzeug für die eindeutige Identifikation von Forschenden. Die Gründung des ORCID-Konsortiums im Jahre 2012 fand daher breite Unterstützung bei Forschenden, Wissenschafts- und Fördereinrichtungen sowie Wissenschaftsverlagen. Alle Beteiligten waren sich einig, dass ein solches systemübergreifendes Werkzeug, das allen Forschenden eine persönliche ID zuordnet, viele Probleme lösen kann.

In den letzten Jahren hat sich ORCID vom ID-Generator zur Schnittstelle für Wissenschaftssysteme entwickelt. Eine Anbindung an viele verschiedene externe Datenbanken wie das Web of Science, Scopus oder Figshare ist möglich und gewünscht. Dadurch wird der Datenaustausch zwischen den Systemen ermöglicht. Auch zahlreiche Verlage und Wissenschaftseinrichtungen erkundigen sich nach ORCID iDs und machen deren Angabe, beispielsweise beim Einreichungsprozess, verpflichtend.

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ORCID als persönliche und umfassende Visitenkarte

Zudem birgt ORCID für die Forschenden verschiedene persönliche Vorteile. Ganz offensichtlich ist natürlich der Vorteil der korrekten Zuordnung ihrer Forschungsergebnisse, und sie damit Anerkennung für ihre Forschungsleistung bekommen. Die Problematik ist insbesondere Personen bekannt, deren Name sehr häufig vorkommen und es hier leicht Verwechslungen geben kann. Aber häufig kann auch nach einer Heirat und einer damit verbundenen Namensänderung, die Publikationen nicht mehr richtig zugeordnet werden – etwa in Google Scholar oder vergleichbaren Diensten.

ORCID bietet eine kostenfreie und international bekannte Plattform, auf der alle Forschenden Angaben zu ihrer Person, dem akademischen Werdegang und zur eigenen Forschungsleistungen hinterlegen können. Die ID bleibt dabei immer erhalten, auch wenn sie die Angaben ändern oder korrigieren, sich ihre Affiliation ändert, ihr Name oder ihr Fachgebiet. Die Forschenden können dabei immer selbst bestimmen, welche Informationen öffentlich und welche nur privat angezeigt werden, mit welchen externen Systemen sie Daten austauschen wollen und mit welchen nicht. Forschende behalten damit die Oberhand über ihre Daten und können die Sicherheitseinstellungen jederzeit anpassen. Dadurch werden Fehler und Mehrfacheingaben vermieden. Das ist wichtig für die Forschenden, die wissenschaftlichen Einrichtungen, Förderorganisationen und Verlage und die Wissenschaft insgesamt.

In diesem kurzen Video von ORCID wird erklärt, warum die eindeutige Identifikation in der Wissenschaft so wichtig ist und wie man sich registrieren kann.

Wissenschaftliche Inhalte frei zugänglich machen in Zeiten von CoVid-19 und darüber hinaus

Die Einschränkungen des öffentlichen und universitären Lebens infolge des Coronavirus Sars-CoV-2 halten die Welt und die TU Berlin in Atem. Die meisten deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen sind in den Präsenznotbetrieb übergegangen, Bibliotheken sind ebenso wie viele andere öffentliche Einrichtungen geschlossen. Die Universitätsbibliothek der TU Berlin versucht trotz der Einschränkungen, die Literatur- und Informationsversorgung der TU-Angehörigen so gut wie nur möglich zu gewährleisten (siehe auch FAQs zu aktuellen Services). Einige Verlage öffnen den Zugang zu ihren E-Books, Zeitschriften und Datenbanken, die sonst hinter Bezahlschranken verborgen sind – häufig allerdings nur zeitlich beschränkt für die Dauer der Pandemie. Trotz der Bemühungen der Bibliotheken und Verlage kann nicht in jedem Fall der Bedarf gedeckt werden. Viele Lehrende, Forschende und Studierende merken jetzt deutlicher denn je, wie essentiell der (freie) Zugang zu wissenschaftlichem Wissen ist – zu Lehrbüchern, Übersichtsliteratur und Forschungsartikeln. Manchmal kann der freie Zugang Leben retten.

Damit Universitätsangehörige, Politik und Gesellschaft jetzt und in Zukunft auf Ihre wissenschaftlichen Ergebnisse frei zugreifen können, bietet das Open-Access-Team für TU-Angehörige Unterstützung an. Die rechtlichen Fragen sind häufig kompliziert. Neuere Zeitschriftenartikel können jedoch fast immer Open Access veröffentlicht werden – auf Basis allgemeiner Policies der Verlage und des im deutschen Urheberrechtsgesetz verankerten Rechts zur Zweitveröffentlichung.

Fünf Fragen an … Joachim Höper vom Verlag wbv Publikation

Auch in diesem Jahr können Angehörige der TU Berlin unseren Publikationsfonds für Open-Access-Bücher nutzen, um ihre eigenen Publikationen zu finanzieren. In unserer Reihe „Fünf Fragen an…“ kommen VertreterInnen aus dem Verlagsbereich zu Wort, die ein Geschäftsmodell für Open-Access-Bücher anbieten. Joachim Höper, Geschäftsleitung wbv Publikation bei wbv Media, gibt uns einen Einblick in die Praxis und zeigt, dass Verlage bei Open Access nicht nur auf die Einzelfinanzierung von Büchern setzen, sondern an neuen und kooperativen Modellen für Open Access arbeiten.