„Ich betrachte Open Access als natürliche und selbstverständliche Form des wissenschaftlichen Austauschs.“

Prof. Valentin Popov ist Leiter des Fachgebietes Systemdynamik und Reibungsphysik an der Fakultät V. Er hat sein Buch „Handbook of Contact Mechanics” Open Access veröffentlicht und unseren OA-Publikationsfonds für Monografien genutzt. Wir haben ihn gefragt, wie es zu dieser Entscheidung kam und welchen Stellenwert Open Access für sein akademisches Schaffen hat.

UB: Open Access ist ein strategisches Ziel der TU Berlin. Wie sieht das in Ihrem Forschungsalltag aus? Ist Open Access ein Begriff? In welchen Kontexten nehmen Sie Diskussionen zu Open Access wahr?

AW: In naturwissenschaftlichen und technischen Fachrichtungen ist Open Access verbreitet und anerkannt. Es gibt mehrere große und einflussreiche Zeitschriften, die bevorzugt oder sogar ausschließlich „Open Access“ publizieren. Die freie Zugänglichkeit der so veröffentlichten Forschung wird im Allgemeinen positiv bewertet; in fachlichen Diskursen meines Forschungsalltags wird Open Access ansonsten nicht „besserer“ oder „schlechterer“ Forschung zugeordnet.

UB: Open Access hat den offenen Zugang zu wissenschaftlicher Information zum Ziel. Sie haben Ihr Buch “Handbook of Contact Mechanics” Open Access veröffentlicht und unseren OA-Publikationsfonds für Monografien genutzt. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

AW: Die Monografie ist ein Handbuch und enzyklopädisches Nachschlagewerk für Forscher und Anwender. Als solches lag es nahe, das Buch „Open Access“ zu publizieren, um seine Reichweite zu erhöhen.

UB: Gab es bisher konkrete Situationen in Ihrem Forschungsalltag, in denen Open Access hilfreich war?

AW: Freie Zugänglichkeit von Forschung fördert die Kommunikation und den wissenschaftlichen Austausch zwischen Forschern, wobei es schwierig ist, eine konkrete Situation zu benennen.

UB: Bis 2020 sollen laut Open-Access-Strategie des Landes Berlin mindestens 60 Prozent der Aufsätze in wissenschaftlichen Zeitschriften frei zugänglich sein. Erscheint Ihnen dieses Ziel sinnvoll? Was muss sich Ihrer Meinung nach verändern, damit dieses Vorhaben gelingen kann?

AW: Ich denke, das ist realistisch.

UB: Kurz und knapp in einem Satz: Was finden Sie gut an Open Access?

AW: Eigentlich betrachte ich Open Access als natürliche und selbstverständliche Form des wissenschaftlichen Austauschs. Nur so kann sich Wissenschaft ohne künstliche Barrieren entwickeln.

UB: Geben Sie uns zum Abschluss einen Einblick in Ihr Forschungsfeld für Disziplinfremde. Mit welchen Fragen und Erkenntnissen beschäftigen Sie sich?

AW: Jedes technische System besteht aus Teilen, die miteinander verbunden sind. Kontakte und Verbindungen zwischen Teilen – von einfachen Stützen über Nieten, Schrauben, Kleben, diverse Arten von Lagern, Rädern, bis hin zu Kontakten von tektonischen Platten – sind Gegenstand unserer Forschung.

UB: Herzlichen Dank für das Interview!

Zur Person

Prof. Dr. Valentin Popov studierte Physik an der Lomonossow-Universität Moskau. Seine Habilitation schrieb er an der Russischen Akademie der Wissenschaften in Tomsk. Nach seiner Professur für theoretische Physik an der staatlichen Universität Tomsk unterrichtete er zwei Jahre an der Universität Paderborn. Seit 2002 leitet er das Fachgebiet Systemdynamik und Reibungsphysik an der TU Berlin. Zudem ist er Honorarprofessor an der Polytechnischen Universität Tomsk in Russland und Distinguished Visiting Professor an der Tsinghua Universität in China. Zu seinen Forschungsinteressen zählen neben der Kontaktmechanik unter anderem auch die Tribologie und die Erdbebenforschung.

Zu den weiteren Teilen der Interviewreihe:

Dr. Johanna Hoerning (FG Stadt- und Regionalsoziologie): „Jede Publikation, die offen zugänglich ist, erleichtert den Forschungs- und Lehralltag!“

Dr. Daniel Opoku (FG Management im Gesundheitswesen): „Wissen ist ein Bedürfnis, kein Wunsch und Open Access garantiert den Zugang zu Wissen für alle.“

Dr. Lena Scholz (FG Numerische Mathematik): „Open Access ist der Schlüssel für effizientes wissenschaftliches Arbeiten.“

Prof. Stephan Völker (FG Lichttechnik): „Open Access garantiert auch weniger finanzstarken Hochschulen weltweit Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen.“

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