Forschungsförderung und Open Access

Dass der freie Zugang zu Forschungsdaten und -Ergebnissen für die Wissenschaft und Forschung immer wichtiger wird, kann man nicht nur an den DEAL-Verhandlungen und den daraus bisher resultierenden Verträgen erkennen. Auch in den etablierten Forschungsförderprogrammen nimmt das Thema Open Access eine immer zentralere Position ein.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat schon 2006 Open Access in den Richtlinien verankert; sie fordert in den Verwendungsrichtlinien explizit dazu auf, Forschungsergebnisse entweder direkt über Open-Access-Plattformen zu veröffentlichen oder andernfalls, im Falle von Verlagspublikationen, den Weg über die Zweitveröffentlichung in einem Repositorium zu nutzen (DFG-Vordruck 2.00 – 01/20, S.41). Neben den projektbezogenen Publikationspauschalen, die explizit für Open-Access-Publikation genutzt werden sollen, bietet die DFG verschiedene Einzelförderungen bzw. koordinierte Programme, sowie Förderprogramme zum Aufbau von Open-Access-Infrastrukturen und -diensten an (s. auch Webseiten der DFG zu Open Access).

Im Zuge seiner Open-Access-Initiative macht es sich auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zur Aufgabe, Open Access als wissenschaftlichen Standard zu etablieren (siehe Open-Access-Strategie des BMBF von 2016). Im Rahmen der Forschungsförderung wird dies bereits über eine Open-Access-Klausel umgesetzt, in der die Publikation von Forschungsergebnissen entweder direkt über Open-Access-Organe oder spätestens nach Ablauf von 12 Monaten über den Zweitveröffentlichungsweg gefordert wird. (vgl. Publikationsguide) Das BMBF unterstützen den Ausbau von Open Access auch strukturell durch die Finanzierung von innovativen Projekten und die Bereitstellung von Informationsmaterialien.

Die Forschungsförderung der Europäischen Union (EU) geht bei der Verankerung von Open-Access-Publikationsstrategien sogar noch einen Schritt weiter. So sind Autor*innen, die Forschungsförderung aus dem Rahmenprogrammen Horizon 2020 bzw. Horizon Europe beziehen, dazu verpflichtet ihre Ergebnisse Open Access zu publizieren. Programmübergreifend hat die EU bereits 2007 ihre Open-Science-Policy erarbeitet, welche offen Stellung für die Open-Access-Publikation bezieht. Die Open-Access-Strategie der unterschiedlichen Programme des European Research Council (ERC) ist hingegen vergleichsweise heterogen, mit teils verpflichtender OA-Publikation auf der einen und vollkommen offen gelassener Publikationsstrategie auf der anderen Seite.

Mit dem sogenannten Plan S der cOAlition S, haben mehrere europäische Forschungsförderorganisationen gemeinschaftlich vereinbart, Open Access ab 2021 verpflichtend einzufordern. Die deutschen Förderer unterstützen die Forderungen des Plan S, haben aber – anders als die EU – die Kriterien bisher nicht in ihren Richtlinien fest verankert. Einen guten Überblick über förderpolitische Positionen  zu Open Access finden Sie auch auf der Informationsplattform open-access.net.

Robert Wiese ist Geologe und seit Oktober 2020 als Referendar an der Universitätsbibliothek der TU Berlin tätig. Neben den Hospitationen im Rahmen des Referendariats ist er Teil des Evaluationsteams des Leganto-Rollouts.

Weitere Beiträge der Reihe „Forschungsförderung und Open Access“:

Forschungsförderung und Open Access: DFG

Forschungsförderung und Open Access: BMBF

Forschungsförderung und Open Access: Forschungsrahmenprogramme der Europäischen Union

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