Drei Jahre Open-Access-Publikationsfonds an der TU Berlin

2017 hat die TU Berlin mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft einen Publikationsfonds eingerichtet, um Veröffentlichungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität in qualitätsgesicherten Open-Access-Zeitschriften zu fördern. Darüber hinaus gibt es mit einigen Verlagen zentrale vertragliche Vereinbarungen über die Kostenübernahme für das Open-Access-Publizieren. Um die Kosten für Open Access transparent zu machen und Vergleichbarkeit zu ermöglichen, liefert die TU Berlin Angaben über die gezahlten Open-Access-Gebühren für Zeitschriftenartikel an OpenAPC. Diese Initiative sammelt nicht nur die Daten der teilnehmenden Institutionen, sondern stellt sie auch visuell aufbereitet offen zur Verfügung. Für den folgenden Überblick wurde auf die Daten und die Analyse von OpenAPC für das Jahr 2019 zurückgegriffen

Was wurde 2019 gefördert?

Waren es 2017 noch 30 und 2018 bereits 60 Aufsätze, so konnten 2019 insgesamt 86 Artikel gefördert werden. In OpenAPC werden 88 Artikel für 2019 gelistet, was sich durch Überhänge beim Jahreswechsel 2018/2019 erklärt. Über OpenAPC sind die Daten für 2019 in Rohfassung und in aufbereiteter Form einsehbar; einen Überblick über den gesamt Förderzeitraum gibt es ebenfalls.

Die gesamte Fördersumme im Jahr 2019 betrug 125.875 € inklusive MwSt. Damit war der Fonds 2019 zum ersten Mal überzeichnet, d.h. es standen nicht genügend Mittel aus dem DFG-unterstützten Etat zu Verfügung. Um den Förderbedarf der TU-Angehörigen dennoch zu decken, wurden die Aufsätze ab November 2019 aus Haushaltssondermitteln finanziert.

Neben Publikationen, die durch den DFG-gestützten Publikationsfonds unterstützt wurden, sind in den an OpenAPC gemeldeten Daten auch Artikel enthalten, die über Prepay-Mitgliedschaften bei BioMed Central (BMC – Teil der Verlagsgruppe SpringerNature) und Copernicus sowie in OA-Zeitschriften im Rahmen des Wiley-DEAL-Vertrages finanziert wurden.

Verteilung der Kosten auf Verlage (Quelle: OpenAPC)

Die 2019 geförderten Artikel sind in Open-Access-Zeitschriften aus 23 verschiedenen Verlagen erschienen. Damit hat sich das Spektrum der Verlage stark erweitert, denn in den Jahren 2017 und 2018 wurden nur Artikel aus elf bzw. zwölf Verlagen gefördert. Unter den Verlagen nimmt, wie bereits in den Vorjahren, MDPI (Multidisciplinary Digital Publishing Institute) mit 27 geförderten Artikeln die erste Position ein. Die Plätze 2 und 3 belegen Frontiers und Springer Nature (inkl. BMC) mit 16 bzw. 15 geförderten Artikeln. Die restlichen 20 Verlage sind jeweils mit ein bis drei Publikationen vertreten.

Die durchschnittliche APC der im Jahr 2019 geförderten Artikel betrug 1.430 € und ist damit im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 100 € angestiegen. Die durchschnittlichen APCs variierten bei den verschiedenen Verlagen jedoch stark, was die folgende Abbildung veranschaulicht.

Durchschnitts-APC nach Verlagen (Quelle: OpenAPC)

Publikationsfonds: Förderbedingungen

Die Förderbedingungen bestimmen, ob ein Open-Access-Artikel aus dem Publikationsfonds finanziert werden kann. Antragsberechtigt sind TU-Mitglieder, die hauptverantwortlich für die Finanzierung des jeweiligen Artikels sind (corresponding oder submitting authors). Die Angabe der ORCID bei Antragstellung ist erwünscht.

Das Journal, in dem publiziert wird, muss eine reine Open-Access-Zeitschrift sein, die im Directory of Open Access Journals (DOAJ) aufgeführt ist. Hybride Zeitschriften, bei denen nur einzelne Artikel gegen Gebühr Open Access publiziert werden, sind von der Förderung durch den Publikationsfonds ausgeschlossen. Der Grund dafür ist das sogenannte „double dipping“. Die Etats von Bibliotheken werden bei dieser Vorgehensweise doppelt belastet – zum einen durch die Zahlung von APC und zum anderen durch die Kosten für das Abonnement der Zeitschrift. Die Universitätsbibliothek empfiehlt daher, OA-Optionen in hybriden Journalen zu vermeiden und Open Access in diesen Fällen stattdessen über eine Zweitveröffentlichung, den sogenannten grünen Weg, zu realisieren. Ausgenommen davon sind Verlage und hybride Zeitschriften, mit denen die TU Berlin besondere Verträge zu Open-Access-Konditionen abgeschlossen hat; das sind aktuell RSC, Wiley und SpringerNature. Ein weiteres Förderkriterium betrifft die APCs, welche maximal 2.000 Euro (inkl. MwSt.) betragen dürfen. Diese Grenze wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft vorgegeben, um einem übermäßigen Anstieg von Publikationskosten entgegenzuwirken. In Fällen, bei denen die APCs über diesem Maximalbetrag liegen, sollte mit dem Verlag nachverhandelt werden. Unsere Erfahrung zeigt, dass sich diese Vorgehensweise lohnt, denn sie hat in der Vergangenheit mehrfach zu einer Reduktion der Gebühren auf unter 2.000 € geführt.

Wie geht es weiter?

Seit der Einführung des Publikationsfonds im Jahr 2017 ist die Anzahl der finanzierten Artikel mit jedem Jahr konstant angestiegen und wir blicken auf ein erfolgreiches drittes Förderjahr zurück. Insgesamt wurden 148 Artikel in den Jahren 2017 bis 2019 aus dem Fonds finanziert. Auch im Jahr 2020 stehen für die Förderung von Open-Access-Artikeln unter den oben aufgeführten Bedingungen ausreichend Mittel zur Verfügung. Eine Übersicht über die in 2020 geförderten Artikel ist auf unserer Webseite zu finden.

Neben dem Publikationsfonds für Zeitschriftenartikel unterhält die TU Berlin seit 2018 auch einen Fonds zur Förderung von Open-Access-Monographien und -Sammelbänden. Die Förderbedingungen und Hinweise zur Antragsstellung finden Sie auf unserer Webseite.

Das Open-Access-Team freut sich auf Ihre Anträge!

Dr. Miriam Bernard ist Referendarin an der Universitätsbibliothek der TU Berlin und Biologin. Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Hospitation im Open-Access-Team der TU Berlin.

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