Open Access, DEAL und Elsevier: Das Tauziehen geht weiter

Die TU Berlin unternimmt große Anstrengungen, um die Versorgung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit aktueller Literatur für Forschung und Lehre zu sichern. Jährlich investiert die Universitätsbibliothek 1,6 Millionen Euro allein für den Zugang zu wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Jedoch haben wenige große, international tätige Wissenschaftsverlage ihre Marktmacht durch fortschreitende Konzentration permanent ausgebaut und über Jahre hinweg eine immer aggressivere Preispolitik betrieben. Die Erwerbungsetats der wissenschaftlichen Bibliotheken halten hier nicht mehr Schritt.

Um diese Dynamik zu unterbrechen, wurde auf Initiative der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen das Projekt „DEAL – bundesweite Lizenzierung von Angeboten großer Wissenschaftsverlage“ initiiert. Im Rahmen des Projektes werden unter Leitung der Hochschulrektorenkonferenz seit mehreren Monaten Verhandlungen geführt, um mit großen Wissenschaftsverlagen Konsortialverträge auf Bundesebene über den Zugang zu wissenschaftlichen Zeitschriften abzuschließen. Ziel der Verhandlungen – zunächst mit Elsevier, im Folgenden mit Springer Nature und Wiley – ist es, den Zugang zu wissenschaftlicher Literatur auf breiter und nachhaltiger Ebene zu verbessern und die Einrichtungen finanziell zu entlasten. Die Implementierung einer Open-Access-Komponente soll dabei für Preistransparenz sorgen, Open Access soll sich auch für die etablierten Verlage zu einem zentralen wirtschaftlichen Standbein entwickeln.

Nach mehrmonatigen intensiven Verhandlungen hat Elsevier im Dezember ein erstes Angebot für eine bundesweite Lizenz vorgelegt. Das Angebot entspricht jedoch nicht den Geboten einer fairen Preisgestaltung, auch eine Open-Access-Komponente lehnt Elsevier bisher ab. Die Verhandlungen sind derzeit unterbrochen. Elsevier wurde aufgefordert, ein revidiertes Angebot auszuarbeiten und an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Um die Verhandlungsposition der DEAL-Verhandlungsgruppe zu stärken, haben Ende 2016 ca. 60 Wissenschaftseinrichtungen ihre Lizenzverträge mit Elsevier gekündigt. Auch wenn die in Editorial Boards von Elsevier-Zeitschriften tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihr dortiges Engagement vorübergehend einschränken oder einstellen, hilft dies, die Position der DEAL-Verhandlungsgruppe zu stärken. TU-Präsident Prof. Thomsen hat daher zu diesem Schritt aufgefordert.

Die TU Berlin steht bei Elsevier mit drei Konsortialpartnern zunächst bis Ende 2017 unter einem laufenden Mehrjahresvertrag. Es gibt Überlegungen, dass auch die TU 2017 von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch macht, um DEAL zu unterstützen. Dieser Schritt würde erhebliche Einschränkungen in der Informationsversorgung zur Folge haben, die durch Dokumentenlieferdienste und den uneingeschränkten Zugang auf die Elsevier-Archivdaten nur zum Teil ausgeglichen werden können. Er ist es trotzdem wert.

Lesen Sie Weiteres über Open Access an der TU Berlin und die Position der Universitätsleitung zu DEAL in der TU intern Nr. 2–3/2017, S. 9–12 und im Tagesspiegel vom 20.02.2017, S. 19.

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